Orientierung für alle, die am Anfang stehen und selbstgemachtes verkaufen wollen
Viele Kreative kennen das Problem: Die Wohnung stapelt sich voll mit selbstgemachten Dingen. Familie und Freunde sind längst ausgestattet, aber die Lust am Selbermachen ist ungebrochen. Spätestens dann stellt sich die Frage: Kann ich meine Werke nicht einfach online verkaufen?
Die Antwort lautet: Ja – aber nicht ohne Vorbereitung. Wer selbstgemachtes verkaufen will, muss zwei Dinge beachten: Erstens die rechtlichen Grundlagen, ohne die kein seriöser Verkauf möglich ist. Zweitens die Wahl der passenden Plattform. Denn nicht jeder Marktplatz eignet sich für Einsteiger, und nicht jeder Shop bringt automatisch Kunden.
Dieser Artikel gibt dir eine klare Übersicht: Welche rechtlichen Schritte nötig sind, welche Plattformen es gibt und womit du als Anfänger am besten startest.
Rechtliches zuerst – was du unbedingt erledigen musst, bevor Du überhaupt selbstgemachtes verkaufen kannst
Bevor du den ersten Teppich, die erste Kette oder das erste Häkelstück online anbietest, musst du ein paar formale Dinge erledigen. Das klingt trocken, ist aber absolut notwendig. Wer hier schlampt, riskiert Abmahnungen.
Gewerbeschein
Sobald du mit der Absicht selbstgemachtes verkaufen handelst, gilt dein Tun als gewerbliche Tätigkeit. Das heißt: Du musst ein Gewerbe anmelden. Das geht beim Gewerbeamt oder Bürgerbüro deiner Stadt. Die Kosten liegen zwischen 10 und 60 Euro, je nach Region. Ohne Gewerbeschein kannst du keine ordentlichen Rechnungen schreiben und bewegst dich sofort in einer rechtlichen Grauzone.
USt-ID und Steuerfragebogen
Nach der Gewerbeanmeldung meldet sich automatisch das Finanzamt. Du bekommst den „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“. Darin gibst du an, ob du die Kleinunternehmerregelung (§19 UStG) nutzt oder ob du Umsatzsteuer ausweisen willst. Auch wenn du dich für Kleinunternehmer entscheidest, solltest du eine Umsatzsteuer-ID beantragen – besonders, wenn du planst, auch ins Ausland zu verkaufen.
Geschäftskonto
Auch wenn es kein Muss ist: Lege dir ein separates Konto nur für deine Verkäufe an. So trennst du private und geschäftliche Einnahmen und Ausgaben. Das erleichtert die Buchhaltung enorm und erspart dir Chaos, wenn das Finanzamt nachfragt.
Verpackungslizenz (LUCID)
Ein Punkt, den viele Anfänger übersehen: In Deutschland bist du verpflichtet, alle Verpackungen, die bei Endkunden landen, im Verpackungsregister LUCID zu melden und am Dualen System zu beteiligen. Das heißt: Du zahlst eine kleine Gebühr für die Entsorgung deiner Verpackungen. Wer das nicht macht, riskiert Bußgelder. Die Anmeldung ist online möglich und relativ einfach.
Vertrag mit Versanddienstleister
Sobald deine Produkte mehr als ein paar Euro kosten, solltest du sie mit Sendungsverfolgung verschicken. Dafür lohnt sich ein Geschäftskonto bei DHL, Hermes, DPD oder GLS. So bekommst du günstigere Konditionen und kannst Pakete professionell abwickeln.
Rechtstexte
Für Online-Verkäufe brauchst du rechtssichere Texte: AGB, Widerrufsbelehrung, Impressum, Datenschutzerklärung. Ohne diese bist du sofort angreifbar. Kostenlose Vorlagen aus dem Internet sind riskant – besser ist es, Texte von einer spezialisierten Kanzlei oder einem seriösen Anbieter zu nutzen.
Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Seit 2024 gilt die neue Produktsicherheitsverordnung in der EU. Sie betrifft auch viele Handmade-Produkte. Beispiel: Textilien brauchen Etiketten mit Materialangabe, bei Kosmetik sind INCI-Deklarationen Pflicht, bei Spielzeug gelten besondere Sicherheitsregeln. Prüfe frühzeitig, ob dein Produkt unter spezielle Vorgaben fällt.
Fazit: Ohne diese Grundlagen solltest du gar nicht erst anfangen selbstgemachtes verkaufen. Hast du sie erledigt, kannst du dich entspannt an die Plattformwahl machen.
Etsy – der größte Marktplatz für Selbstgemachtes verkaufen
Etsy ist international der bekannteste Marktplatz für Handmade, Vintage und kreative Produkte. Millionen Käufer nutzen die Plattform, um gezielt nach Selbstgemachtem und besonderen Dingen zu suchen.
Vorteile:
- Riesige Reichweite, sowohl in Deutschland als auch international.
- Käufer sind auf Handmade eingestellt, sie suchen genau danach.
- Einfache Einrichtung, du kannst schnell starten.
Nachteile:
- Starke Konkurrenz, du musst dich abheben.
- Gebühren von rund 12% pro Verkauf.
- Sichtbarkeit hängt von SEO und Aktivität ab.
Für wen geeignet?
Etsy ist für viele Anfänger der beste Startpunkt um selbstgemachtes verkaufen zu können. Du profitierst vom vorhandenen Traffic und kannst ausprobieren, ob deine Produkte Käufer finden.
Kasuwa – die deutsche Alternative
Kasuwa ist ein Marktplatz aus Deutschland, speziell für Handmade. Die Plattform ist kleiner, dafür übersichtlich und komplett deutschsprachig.
Vorteile:
- Klarer Fokus auf Handmade.
- Deutsche Community, einfacher Support.
- Faire Gebührenstruktur.
Nachteile:
- Deutlich weniger Reichweite als Etsy.
- Käufer müssen die Plattform erst finden.
Für wen geeignet?
Kasuwa ist eine sympathische Alternative oder Ergänzung zu Etsy – besonders für Verkäufer, die bewusst in einem deutschsprachigen Umfeld starten wollen.
Productswithlove – Handmade mit Community
Productswithlove ist ebenfalls ein deutscher Marktplatz für Selbstgemachtes. Die Community ist kleiner, aber aktiv.
Vorteile:
- Handmade-orientiert.
- Überschaubar und persönlich.
Nachteile:
- Weniger Traffic als Etsy.
- Noch relativ unbekannt.
Für wen geeignet?
Productswithlove eignet sich gut als Ergänzung, wenn man mehrere Kanäle bedienen will. Für Einsteiger ist es aber allein zu schwach, um tragfähige Umsätze zu erzielen.
Amazon Handmade – warum es für viele nicht passt
Amazon ist die größte Shopping-Suchmaschine der Welt. Mit Amazon Handmade gibt es auch eine Abteilung für Selbstgemachtes. Klingt nach Riesenchance – ist es aber nicht unbedingt.
Vorteile:
- Riesige Sichtbarkeit auf der Amazon-Plattform.
- Millionen potenzielle Käufer.
Nachteile:
- Käufer erwarten Prime-Tempo: Bestellung heute, Lieferung morgen. Handmade-Produkte brauchen Zeit – und das führt schnell zu Konflikten.
- Hohe Gebühren.
- Strenge Regeln und wenig Toleranz für Fehler.
Für wen geeignet?
Amazon Handmade kann funktionieren, wenn du Produkte hast, die sich standardisieren und schnell verschicken lassen. Für echte Handmade-Anfänger ist es jedoch oft mehr Stress als Nutzen.
Eigener Onlineshop – warum er für Anfänger ungeeignet ist
Viele träumen davon, gleich mit einem eigenen Shop bei Shopify oder WooCommerce zu starten. Klingt professionell und unabhängig, ist für Anfänger aber selten sinnvoll. Auch wenn selbstgemachtes verkaufen im eigenen Shop früher oder später Nr. 1 sein sollte.
Vorteile:
- Volle Kontrolle über Design, Preise und Branding.
- Keine Plattform-Gebühren.
- Du baust eine eigene Marke auf.
Nachteile:
- Kostet monatlich Geld, egal ob du Verkäufe hast.
- Kein automatischer Traffic – du musst Marketing können.
- Viel Aufwand für Technik, Rechtstexte und Pflege.
Für wen geeignet?
Ein eigener Shop ist eine tolle zweite Stufe, wenn du bereits Verkäufe über Plattformen machst und Kunden hast, die wiederkommen. Als Startpunkt ist er ungeeignet, weil du ohne Marketingkenntnisse nur Kosten produzierst. Auch wenn selbstgemachtes verkaufen im eigenen Shop später Nr. 1 sein sollte.
Social Media – Sichtbarkeit und Community
Instagram, Pinterest und TikTok sind zwar keine Shops, aber starke Werkzeuge, um Sichtbarkeit zu bekommen.
- Instagram: gut für Storytelling und direkten Kundenkontakt.
- Pinterest: Suchmaschine für visuelle Inhalte, bringt langfristig Traffic.
- TikTok: hohes Viralpotenzial, kurze Videos können schnell Reichweite bringen.
Social Media ersetzt keine Verkaufsplattform, kann aber Traffic auf Etsy oder deinen Shop lenken. Pinterest ist allem überlegen wenns um selbstgemachtes verkaufen geht.
Märkte & Pop-Ups – offline selbstgemachtes verkaufen als Ergänzung
Neben dem Online-Verkauf lohnen sich auch Märkte oder Pop-Up-Stores. Hier kannst du deine Produkte direkt zeigen, bekommst sofort Feedback und baust persönlichen Kontakt auf. Für viele ist das ein guter Test, ob die Produkte überhaupt Käufer finden.
Welche Plattform passt zu dir?
- Schnell starten, breite Zielgruppe: Etsy.
- Deutsch, klein, familiär: Kasuwa oder Productswithlove.
- Für standardisierte Produkte: Amazon Handmade.
- Langfristige Unabhängigkeit: Eigener Shop
- Zusatz-Kanäle: Social Media für Reichweite, Märkte für Feedback.
Fazit – starte einfach, aber starte richtig
Selbstgemachtes verkaufen ist kein Hexenwerk, aber es braucht einen klaren Plan. Starte nicht mit einem teuren Shopify-Shop, den niemand besucht. Geh zuerst die rechtlichen Basics durch und wähle dann eine Plattform, die dir Sichtbarkeit bringt. Etsy ist für viele der ideale Einstieg, Kasuwa und Productswithlove sind gute Ergänzungen.
Wenn du dann erste Verkäufe hast, kannst du Schritt für Schritt wachsen – mit Social Media, vielleicht einem eigenen Shop und zusätzlichen Kanälen. Wichtig ist nur, dass du überhaupt beginnst – aber auf die richtige Weise.
👉 Und wenn du tiefer einsteigen willst – brauchst Du unbedingt mein Starter Workbook Getting STARTED, das Dich an die Hand nimmt für einen erfolgreichen Start. Natürlich kannst Du es auch alleine schaffen, aber GETTING STARTED spart stundenlanges rumgooglen und Du weißt, daß Du auf dem richtigen Weg bist selbstgemachtes verkaufen.